Friesenheim, den 7. Mai 2021

PRESSEMITTELUNG

LSB begrüßt das Programm „Rückenwind“ für die Schulen in Baden-Württemberg

Kritik an der Beschränkung auf Vollzeitschulen – sind die jungen Menschen im dualen System die Stiefkinder der Schulpolitik?

Rund 160 Mio € Bundesmittel für Baden-Württemberg, um pandemiebedingte Lernrückstände von Schülerinnen und Schülern abzubauen, zusätzlich derselbe Betrag aus Landesmitteln – das ist eine Größenordnung, mit der sich bei rund 1,5 Millionen Schülerinnen und Schülern im System etwas bewegen lässt.

„Auf völliges Unverständnis bei den Mitgliedern des LSB stößt allerdings, dass die knapp 200 000 Schülerinnen und Schüler in beruflichen Teilzeitschulen, also die Azubis, nicht von dem Programm profitieren sollen“, betont Ingeborge Schöffel-Tschinke, die amtierende Vorsitzende des Landesschulbeirats Baden-Württemberg (LSB).

Während der letzten beiden Schuljahre kam es zu erheblichen Unterrichtsausfällen in den Berufsschulen. Auszubildende wurden vermehrt in ihre Betriebe geschickt. Nicht alle Betriebe aber sind in der Lage, das ganze Spektrum der berufsfachlichen Inhalte selbst zu vermitteln – vor allem kleinere Handwerksbetriebe.

Auch die staatlich geförderten, von den Kammern organisierten, überbetrieblichen Ausbildungsangebote (ÜBA) sind coronabedingt nur eingeschränkt möglich.

Es ist zu befürchten, dass Auszubildende den Gang zur Berufsschulprüfung scheuen und ihre Ausbildung ohne Prüfung beenden. Kurzfristig werden sie in den Bereichen mit Arbeitskräftemangel wie z.B. Bau oder Bereichen des Einzelhandels gute Chancen auf eine Übernahme als Arbeitskraft ohne Abschluss haben, eine momentan verlockende, aber auf lange Sicht fatale Perspektive für die jungen Menschen. Wenn sich der Wind auf dem Arbeitsmarkt dreht, sind sie die Ersten, die auf der Strecke bleiben.

Der Landesschulbeirat Baden-Württemberg erwartet von der Kultusverwaltung Lösungsansätze für dieses Problem. „Es kann nicht sein“, so Schöffel-Tschinke weiter, „dass diese Schülergruppe völlig vergessen wird, weil nur die Abschlüsse an den allgemeinbildenden Schulen im Fokus der öffentlichen Meinung stehen.“