Friesenheim, den 3. August 2020

 

PRESSEMITTEILUNG

 

 

Jede Menge Herausforderungen im Bildungsbereich

Letzte Sitzung des 22. Landesschulbeirats im Zeichen eines noch nie dagewesenen Ausnahmezustandes

 

 

Zum ersten Mal nach den Schulschließungen am 16. März und zum letzten Mal in diesem Schuljahr konnte die Vorsitzende Ingeborge Schöffel-Tschinke das gesamte Gremium bei einer Sitzung begrüßen. Vertreterinnen und Vertreter des Kultusministeriums legten die Planungen für das neue Schuljahr dar, ein wesentliches Thema war außerdem der Sachstand  Digitalisierung, der durch die Pandemie zu einem zentralen Thema geworden war.

Ingeborge Schöffel-Tschinke bedankte sich bei den Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für die enormen Planungs- und Organisationsleistungen der Schulverwaltung in einer Zeit, in der sich der Wissens- und der Sachstand zum Infektionsgeschehen ständig ändert und Planungen teilweise Makulatur sind, ehe sie umgesetzt werden können. Sie drückte auch den Schulleitungen und den Lehrkräften ihren Respekt und ihre Hochachtung aus für das Engagement und die Kreativität in einer Lage, auf die niemand vorbereitet war und die plötzlich – insbesondere im Bereich des Fernunterrichts – Kompetenzen erforderlich machte, auf die Lehrkräfte bis dato weder in der Ausbildung noch in der Fortbildung vorbereitet. wurden.

 

Digitalisierung in Schule und Unterricht wurde durch die Pandemie plötzlich zum zentralen Thema. Ministerialdirigentin Dörte Conradi informiert über die Handlungsfelder, an denen  gearbeitet wird und den neuen Sachstand durch die Schulschließungen seit März.

Die drei Bereiche curriculare Verankerung/methodische und didaktische Aspekte, Qualifizierung der Lehrkräfte im System und technische Voraussetzungen werden seit rund drei Jahren intensiv bearbeitet. Der Zeitplan für die Projektphase digitale Bildungsplattform sieht Folgendes vor: Bis Herbst 2020 Basiskomponenten; Ende 2020 bis Herbst 2021 Konsolidierung und Bündelung bis zu Plattform; 2021 – 2023 Optimierung.

Dörte Conradi betont das Spannungsfeld technische Ausstattung – pädagogische Entscheidungen. Es ist nicht damit getan, die Schulen mit Endgeräten zu versorgen, sondern an jeder einzelnen Schule müssen die  Medienentwicklungspläne Teil eines Schulentwicklungskonzeptes sein.

Durch die Schulschließungen wurden die Lehrkräfte schlagartig mit dem Szenario „Fernlernen“ konfrontiert und entwickelten teilweise in kürzester Zeit Konzepte für digitalen

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Unterricht, die auch erfolgreich umgesetzt wurden. Da auch der technische Standard an den Schulen extrem unterschiedlich ist, werden große Geldmengen zur Verfügung gestellt, um für alle Schulen akzeptable technische Voraussetzungen zu schaffen. So werden neben den Mitteln aus dem Digitalpakt (650 Mio € vom Bund und 150 Mio € vom Land) durch das Sofortprogramm weitere 130 Mio € (je zur Hälfte von Bund und Land) bereitgestellt, wobei die Mittel aus dem Sofortprogramm in erster Linie für die Beschaffung digitaler Endgeräte für die Hand der Schüler eingesetzt werden sollen.

 

Unterricht unter Pandemiebedingungen – Ministerialdirigent Vittorio Lazaridis gibt einen Überblick über den geplanten Schulstart, wobei immer ein Plan B mitgedacht werden muss, falls sich plötzlich lokal neue Entwicklungen im Infektionsgeschehen ergeben. Er erläutert, dass die Öffnung der KITAs und der Grundschulen auf der Grundlage von Studienergebnissen beschlossen wurde, nach denen Kinder unter zehn Jahren nicht in besonderem Maß zum Infektionsgeschehen beitragen, nur 8% der bekannten Infektionen erfolgte in den Einrichtungen und es gebe keine dokumentierte Übertragung von Kindern auf eine Lehrkraft. Einhaltung der Hygiene-Regeln und feste Gruppenzugehörigkeit sind eine wichtige Basis für die Unterrichtsarbeit im neuen Schuljahr, wobei Fernunterricht als Ergänzung zum Präsenzunterricht stattfinden wird, auch in Anbetracht der Tatsache, dass Lehrkräfte, die einer Risikogruppe angehören, nur im Fernunterricht eingesetzt werden können. Aus naheliegenden Gründen kann die Stundentafel nicht komplett erfüllt werden (Pflicht ist das Kerncurriculum), deshalb müssen Jahrespläne flexibel gestaltet werden, bei der Leistungsmessung sollen alle Lernbereiche herangezogen werden. Durch die Verschiebung der Prüfungen nach hinten soll mehr Lernzeit generiert werden.

 

Ministerialdirigent Klaus Lorenz schildert die besondere Situation an den beruflichen Schulen während der Schließung – da zwischen 1/3 und 40% der Schülerinnen und Schüler an den beruflichen Schulen in jedem Jahr Prüfungen machen und der Prüfungszeitraum in die Zeit ab März fiel, war es eine große Herausforderung für die Schulen. In Zusammenarbeit mit Task Forces an den Regierungspräsidien und dem KM gelang es, für rund 120 000 junge Menschen die Prüfungen zu organisieren und erfolgreich zum Abschluss zu bringen – dies war eine enorme Leistung der beruflichen Schulen!

Über die Unterrichtsversorgung kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur spekulieren, da hier verschiedene Faktoren zusammenspielen: Die Bewerberzahlen der Lehrkräfte verbessern sich leicht, da Industrie und Wirtschaft Fachkräfte freisetzen, es kommen im Moment noch wenig Rückmeldungen, dass zusätzliche Klassen benötigt werden. Allerdings muss man durch die wirtschaftliche Situation mit mehr Schülerinnen und Schülern in den Vollzeitschulen rechnen.