Der 22. Landesschulbeirat konstituiert sich Prof. Ulrich Trautwein, Uni Tübingen, gibt den Mitgliedern Impulse für die Arbeit des Gremiums

PPFriesenheim, den 16.10.2017

In seiner konstituierenden Sitzung im Kultusministerium wählte der Landesschulbeirat (LSB) Ingeborge Schöffel-Tschinke mit großer Mehrheit erneut zu seiner Vorsitzenden. Die nächste Arbeitsperiode wird geprägt sein von der Diskussion um die Qualitätsentwicklung in den Schulen des Landes, schwerpunktmäßig in der Grundschule, so Schöffel-Tschinke.

In seinem grundlegenden Referat machte Prof. U.Trautwein aus Tübingen deutlich, welchen Beitrag die Erhebung von wissenschaftlichen Daten und deren fundierte Interpretation für den Prozess der Qualitätssteigerung in den Schulen leisten können.

Er machte deutlich, dass eine Verarbeitung von Daten verschiedenster Herkunft, die unverbunden nebeneinander stehen, nicht zielführend sein kann, sondern erst eine sorgfältige und kritische Interpretation auf der Grundlage wissenschaftlicher Methoden und Arbeitsweisen die Daten evident für Einschätzungen und Entscheidungen macht. Er betonte, dass Evidenzorientierung ein komplexes und mühsames Geschäft sei, das im Ländle erst erlernt werden müsse.

Eine externe Evaluation müsse nicht nur multiple  Daten erheben und Entwicklungslinien aufzeigen, sondern auch mit Hilfe eines Sozialindexes die Lernvoraussetzungen der Kinder und Jugendlichen abbilden. Vor allem aber forderte Trautwein nachdrücklich Konsequenzen und Unterstützungsleistungen aus den Ergebnissen ein. Er regte an zu prüfen, ob man nicht ein „Recht auf geeignete Förderung“ bei unbefriedigenden Ergebnissen institutionalisieren könne.

Die bei punktueller Evaluation erkennbaren Sichtstrukturen des Unterrichts (Methoden, Sozialformen) sind keine geeigneten Indikatoren für Unterrichtsqualität, wichtig sei die Untersuchung von Tiefenstrukturen über Lehr- und Lernprozesse, solche Daten lägen aber in Baden-Württemberg nur unzureichend vor, so Trautwein weiter. Er deutet an, wo der Knackpunkt für die Qualitätsentwicklung liegen könnte: „Wir hatten und haben landauf landab eine große Menge von hochkompetenten und engagierten Lehrkräften und Entscheidungsträgern in der Bildungsverwaltung und Bildungspolitik, aber kein an den modernen Standards orientiertes System der Qualitätssicherung und der Qualitätsentwicklung, bei dem Experten mit unterschiedlichem beruflichen Hintergrund zusammen arbeiten und dabei systematisch die relevanten wissenschaftlichen Erkenntnisse einbeziehen.“